ddm Ausgabe 2 | 2020

8 ddm | Ausgabe 2 | 2020 Der komplette Fall Zum Nachweis systemischer zellulärer Sensibilisierungen eignet sich der Lymphozytentransformationstest (LTT). Hierbei werden Lymphozyten aus dem Patientenblut isoliert und mit den jeweiligen Allergenen in einer Zellkultur zusammengebracht. Ist der Patient auf das jeweilige Allergen sensibilisiert, führt dies zu einer Proliferation von Lymphozyten in dem jeweiligen Testansatz und beweist somit die Existenz von allergenspezifischen Lymphozyten (Gedächtniszellen) im Patientenblut (siehe hierzu auch https://www.imd-berlin.de/labor.html). Die Patientin wurde auf folgende Acrylate getestet: Methylmethacrylat (MMA/PMMA), TEGDMA, BISGMA, BISDMA, HEMA, Diurethandimethacrylat, Ethylenglycoldimethacrylat, 1,4-Butandioldimethacrylat, N,N-Dimethyl-4-toluidin, Benzoylperoxid, Hydrochinon, Campherchinon, Phthalate und Formaldehyd. Im Ergebnis zeigte sich eine zelluläre Sensibilisierung gegenüber BIS-GMA, wohingegen alle anderen getesteten Materialien keinen Hinweis auf eine immunologisch bedingte Unverträglichkeitsreaktion zeigten. Entsprechend der Ergebnisse der Labordiagnostik konnte ein geeigneter Kunststoff für die Herstellung einer Vertikalisierungs- und Myoarthropathieschiene sowie des späteren Locator-getragenen Zahnersatzes im Oberkiefer ausgewählt werden. Einstellung der Bisshöhe Die Einstellung der neuen vertikalen Kieferrelation erfolgte nach mehrfacher zentrischer Bissnahme sowie klinischer und instrumenteller Funktionsanalyse. Die Herstellung der Myoarthropathieschiene mit der neu definierten vertikalen Kieferrelation erfolgte Locator-getragen im Oberkiefer ohne basale Auflage. Die Auswahl eines für die Patientin verträglichen Kunststoffes und die besondere Art der Schienengestaltung führten zu einem sofortigen Rückgang von Rötung und Schwellung der betroffenen Mundschleimhautareale. Dieses Vorgehen ermöglicht sowohl das Tragen der Schiene während des Fertigungsprozesses der neuen Oberkieferversorgung als auch nach prothetischer Neuversorgung des Unterkiefers. Es bedarf für Letztere lediglich die funktionelle Anpassung der Schiene im zahntechnischen Labor. Die Patientin adaptierte ohne Probleme die neu definierte Bisshöhe. Es zeigte sich sogar eine subjektiv deutliche Entlastung der Kaumuskulatur sowie ein harmonisches extraorales Gesichtsprofil. Der Gewinn an vertikaler Höhe im unteren Gesichtsdrittel führte zu einer vorteilhafteren Gesichtsproportionierung und damit auch zu einer kosmetischen Rehabilitation. Herstellung der OK-Prothese Es folgte die Herstellung der neuen Locator-getragenen Oberkiefertotalprothese (mit verträglichem Kunststoff), entsprechend der klinisch erprobten und gesicherten neuen Bisslage. Ausgehend von der neu definierten Kieferrelation erfolgte im hauseigenen zahntechnischen Labor die Simulation einer idealen Unterkieferversorgung. Dafür wurde erneut der Artikulator (SAM) genutzt, welcher mit den zuvor gewonnen Informationen programmiert werden konnte. Im Anschluss digitalisierten wir in einem bimaxillären Streifenlichtscanner (Amann Girrbach, Ceramill Map 300) die Planung und erzeugten so eine STL-Datei. Zur späteren exakten Schablonenkonstruktion scannten wir zudem ein Situmodell, welches die präimplantologische Ausgangssituation mit entsprechender Schleimhautsituation wiedergibt. Dies ist ein wichtiger Schritt im Rahmen der Planung, Umsetzung und Fertigung von Bohrschablonen bei Freiendsituationen, um einen späteren intraoperativ passgenauen Sitz der Schablone zu gewährleisten. Implantationsvorbereitung Im nächsten Schritt fertigten wir ein digitales Volumentomogramm (DVT; Orthophos SL, Dentsply Sirona) mit einem Volumen von 11 cm x 10 cm an. Als Befundungs- und Planungssoftware kam Galileos Implant (Dentsply Sirona) zum Einsatz. Nach Befundung wurden die STL-Dateien in das Programm importiert und mit dem DVT gematched. Der Vorgang wurde auf Korrektheit geprüft.

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